Mal genauer hinsehen: Die Piazza Navona in Rom

Wenn Euch Eure nächste Städtereise nach Rom bringt, werdet ihr ganz sicher früher oder später auf die Piazza Navona gespült. Klar, denn die Navona gehört zu einer der größten “Attraktionen” in Rom. Ich habe ganze Tage auf der Navona zugebracht und musste beim Beobachten der Besucher immer wieder feststellen, dass die Touristen zwar kommen und vielleicht auch einen der überteuerten Kaffees trinken, aber dennoch schnell wieder zur nächsten Sehenswürdigkeit weiterlaufen, ohne die Schönheit des Platzes richtig auf sich wirken zu lassen bzw. zu erkennen. Daher möchte ich hier- obwohl sie es eigentlich gar nicht nötig hat- für die Piazza Navona eine Lanze brechen und Euch alle, die ihr demnächst auf die Städtereise nach Rom fahrt, aufrufen, mal länger als ein paar Minuten zu bleiben und die kleinen Geheimnisse der Piazza zu entdecken. Der imposante Platz im Herzen der Ewigen Stadt ist aus zweierlei Hinsicht interessant. Ersten gehört er – ganz klar- zu den ersten Flaniermeilen am Platz- hier gilt sehen und gesehen werden. Dutzende Cafes und Restaurants warten auf Gäste und zahlreiche Straßenverkäufer, Portraitzeichner, Musiker und Artisten versuchen Ihre Künste an den Mann zu bringen. So weit, so gut- als einer der frequentiertesten Plätze in Rom muss man hier auch ganz besonders auf Nepp und Taschendiebe aufpassen. Und dennoch ist der Platz auch bei den Römern selbst beliebter Aufenthaltsort. Ich kann das gut nachvollziehen, denn die Piazza Navona birgt lauter kleine Geheimnisse, die sich erst auf den zweiten oder dritten Blick erschließen- und das macht sie, abgesehen vom wuseligen touristischen Treiben, zu einem ganz besonderen Ort in der Stadt. Da wäre zum einen Mal die Form des Platzes. Was zwar in vielen Führern steht, die meisten Besucher aber aufgrund der “partyhaften” Atmosphäre nicht wirklich wahrnehmen, ist, daß die Piazza bis ins späte Mittelalter als Stadion unterschiedlich verwendet wurde. Von Kaiser Domitian um 85 n. Chr. imposant ausgebaut, fanden über die Jahrhunderte zahlreiche Pferderennen, leichtathletische Spiele- sogennante Agone- und sogar nachgestellte Seeschlachten statt, für die das damalige Stadion geflutet wurde. Wenn ihr Euren Blick mal nicht in Richtung Jongleur oder Musiker richtet (Tipp übrigens: sonntags ziehen immer diverse Jazz-Kombos vom nahegelegenen Campo dei Fiori über die Navona bis zum Pantheon- sehr hörenswert), sondern etwas weiter nach unten- Richtung Kanalisation und Parterre, findet man überall noch Relikte der damaligen Abflüße sowie der Tribünenunterbauten. Laßt Eure Fantasie mal für einen Augenblick schweifen und das alte Stadion vor Eurem inneren Auge neu entstehen. Mein Lieblingsstück auf der Navona ist allerdings die Fontana dei Quattro Fiumi- der Vierströmebrunnen. Der neben dem Neptunbrunnen, zweite Brunnen auf dem Platz- direkt gegenüber der Kirche Sant`Agnese birgt soviele tolle Kleinigkeiten, das man Stunden damit zubringen könnte, alles genau zu inspizieren. Der barocke Brunnen versetzt den geneigten Touristen in eine Zeit zurück, in der erst vier Kontinente bekannt waren: Europa, Afrika, Asien und Amerika. Für jeden der vier Kontinente hat der berühmte Architekt Bernini vier monströse Männer geschaffen, die jeweils den größten Fluss des Kontinents symbolisierten: Donau, Nil, Ganges und Rio de la Plata. Die Männer sind mit diversen Attributen und kleinen Sinnbildern ausgestattet und in deren nächster Umgebung deuten charaktieristische Pflanzen und Tiere auf die Zugehörigkeit zum jeweiligen Fluss/ Kontinent hin. Ihr könnt echt sicher sein, sobald Ihr Euch mehr als fünf Minuten mit diesem Meisterwerk barocker Baukunst beschäftigt, werdet ihr immer mehr Details und Kleinigkeiten entdecken, die Euch zum Staunen bringen und Eure Vorstellungskraft beflügeln. Die Piazza Navona ist es wirklich wert, nicht nur als Flaniermeile angesehen zu werden. Ich hoffe, ich konnte Euch einen kleinen Anreiz geben, beim nächsten Urlaub in Rom mal etwas genauer hinzusehen. Für mich hat sichs schon definitiv gelohnt.

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