Gourmet im ICE

Gerade macht die Deutsche Bahn ja eigentlich mal wieder nur Negativschlagzeilen: da wird der Börsengang verschoben, Kunden müssen stundenlange ICE Verspätungen wg. wochenlanger Inspektionen in Kauf nehmen, die pausenlos medial angepriesene 29€-Tickets sind nie erhältlich und zu allem Überdruss werden Jugendliche in dementierter Regelmäßigkeit von Kleinstadtschaffnern in der Pampa ausgesetzt. Entgegen aller Erwartungen wird sich dieser Artikel aber tatsächlich mal nicht mit dem Fehlverhalten von Deutschlands behäbigstem Unternehmen beschäftigen. Denn auch die Marketing-Strategen der Bahn haben mal gute Ideen- ein davon war eine kulinarische Entdeckungsreise unter dem Motto „Europa erleben. Sterne genießen.“

Sterne Gerichte Deutsche Bahn

Leider ist dieses kleine Highlight aufgrund aller anderen großen Geschichten rund um die Bahn einfach untergegangen. Bereits Anfang 2008 startete das Konzept, das vorsieht, jeden Monat bis Dezember 2008 in den Bordrestaurants und Bistros der Züge kulinarische Spezialitäten aus unterschiedlichen Ländern zu kredenzen. Dafür wurden zehn Spitzenköche gewonnen, die weder mit ihren Michelin-Sternen noch mit einzigartigen Rezepten geizen. Zusätzlich zu den von den Sternköchen entworfenen Gerichten, gibt es pro Monat auch spezielle Reise-Angebote rund um das jeweilige Land. Im November gibt sich Paweł Oszczyk die Ehre. Der junge Wilde aus Polen führt laut Gourmet Guide 2008 Warschaus bestes Restaurant und kreiert für die kulinarische Reise durch Polen Gerichte die von seinem Heimatland aber auch Frankreich und dem Orient geprägt sind. Wer den Gaumenschmaus während seinen Kurzreisen oder Langstreckenfahrten im Zug probieren möchte, kann das in jedem Bordrestaurant der Deutschen Bahn noch bis Ende November (danach kocht zum Abschluss der Tour der Däne Jakob de Neergaard)- vorausgesetzt natürlich der ICE kommt.

Bei wem Gourmetreise buchen?

In diesem Frühling wollte ich mir mal etwas Besonderes gönnen und mit ein paar Freunden einige Tage auf einer Gourmetreise verbringen. Die Destination- Italien- stand bereits davor fest, wo genau allerdings wollten wir nach Abwägung der Angebote entscheiden. Nach einigen Recherchen im Netz bin ich auf zwei ähnliche Angebote gestoßen, die beide einen zweiten Blick wert sind. Der bekannte Reiseveranstalter TUI bietet unter dem Motto „Trüffel und Barolo“ eine siebentägige Auto-Rundreise durch die italienische Region Piemont an. Der kleine Veranstalter Reipa Touristik GmbH scheint mit seiner viertägigen Piemont-Gruppenreise namens „Trüffel und Barolo bitten zu Tisch“ eine fast identische Schlemmerreise anzubieten. Allerdings ähneln sich die Angebote nur auf den ersten Blick:

Die Reisen differieren nicht nur in Länge und Preis, sondern auch in Reiseprogramm. Eine Woche Piemont-Gourmetreise kostet bei TUI ab 439€, während die vier Tage bei Reipa ab 1050€ zu bekommen sind. Die Reipa-Reise ist allerdings als Gruppenreise ab 10 Personen angelegt und der Transfer zu den unterschiedlichen Stationen ist (bei Eigenanreise!) im Preis inbegriffen. Bei TUI reist man am besten mit dem eigenen Wagen ins Piemont an um dann der vorgegebenen Autoroute zu folgen. Hier sollte man auch bemerken, dass die TUI-Reise zwar vorgibt, eine Gourmetreise zu sein, letztendlich allerdings nur ein individuell gestaltbare Rundreise durch die italienische Region. Vorgeschlagen werden lediglich wichtige Stationen der Weinherstellung, allerdings kann man genauso gut Savoyer-Schlösser besichtigen oder in Turin shoppen gehen. Es stehen elf Hotels gehobener Klasse in der Region zur Verfügung, die für die sechs Übernachtungen nach Lust und Laune gewählt werden können.

Piemont

Beim Reipa-Angebot startet die Feinschmeckergruppe täglich vom gleichen Savoyerhotel nahe der Stadt Alba zu den jeweiligen Tagesausflügen. Bei dieser Reise steht tatsächlich der Gourmet im Vordergrund und man sollte schon sehr großes Interesse am Trüffel und den Weinen der Region an den Tag legen. Hier nur ein kleiner Auszug des Reiseprogramms: Besuch einer Trüffelmesse, Verkostungsveranstaltung “Wein trifft Käse”, Trüffelsuche im Wald mit einem Trüffelmeister, Besuch der Schneckenmetropole Cherasco, Grappaverkostung, Baroloverkostung, Destilleriebesichtigung, Weinseminar und einiges mehr.

Gourmetreise Piemont

Fazit: Eine wirkliche Gourmetreise ins Piemont bietet nur der Veranstalter Reipa, hier muss man dem Feinschmeckerprogramm entsprechend allerdings auch einen wesentlich höheren Preis einplanen. Für Laien, die Barolo noch nicht von Barbaresco unterscheiden können, ist die TUI-Reise für einen ersten Einblick mehr als ausreichend und preislich zufriedenstellend.

Wir haben uns letztlich für das TUI-Angebot entschieden, denn obwohl wir große Fans des „Sideways“-Lebensstils sind, sind wir (noch) keine Super-Gourmets a la Miles und Jack- die „richtige“ Gourmetreise wird aber garantiert folgen!