Weihnachtsmarkt Weimar
Ein letzter Beitrag fehlt noch in unserer Reihe, nämlich mein liebster Weihnachtsmarkt. Natürlich ist es schwer hier objektiv zu bleiben, aber ich werde es auf jeden Fall versuchen. Der schönste Christkindlmarkt den ich kenne, ist der Weihnachtsmarkt in Weimar. Der Markt dauert noch bis 21. Dezember, also hat jeder jetzt noch ein Wochenende Zeit, um einen Kurztrip in die ehemalige Kulturhauptstadt Europas zu unternehmen. Und das lohnt sich auf jeden Fall. Seit 1999, als die Touristen ob des Kulturhauptstadt-Titels die Stadt belagerten, ist die touristische Infrastruktur bestens ausgebaut und die Adventsangebote zahlreich. Ich habe schon sechsmal den beschwerlichen Weg von München nach Thüringen auf mich genommen (Kleiner Insidertipp: bei Maxim Gorki kann man günstig und komfortabel nächtigen) um in der einzigartigen Atmosphäre ein gemütliches Vorweihnachtswochenende zu verbringen. Und jetzt zu den Details:

Tradition-und-Gemütlichkeits-Faktor:
Der Weimarer Weihnachtsmarkt erstreckt sich über die ganze Innenstadt der 60.000 Einwohner-Stadt vom Theaterplatz bis zum Marktplatz. Da der Weihnachtsmarkt in Weimar mit etwa 90 Ständen nur halb so groß wie seine Konkurrenz in Nürnberg oder Bremen ist, kommt auch an vollen Vorweihnachtswochenenden immer eine lauschige, gemeinschaftsfördernde Atmosphäre auf. Die Besinnung auf den christlichen Ursprung liegt der Stadt besonders am Herz- daher sucht man Plastikspielzeug aus China oder kirmesähnliche Zustände vergebens. Als Wiege der deutschen Klassik bekommt Weimar selbstverständlich sowieso Punkte beim Traditionsfaktor. Nirgendwo sonst in Deutschland ist der Geist von Goethe und Schiller, Wieland und Nietzsche so präsent wie in den Statuen, Geburtshäusern und Wirkungsstätten dieser großen Deutschen Intellektuellen. An vielen kann man während eines Besuchs des Weimarer Weihnachtsmarktes vorbeiflanieren. Dafür 5 von 5 möglichen Punkten.
Glühwein-und-Maroni-Faktor:
Highlights mit WOW-Effekt, findet man auf dem Weihnachtsmarkt in Weimar- wie auch bei allen anderen unserer vorgestellten Märkte, kaum. Die Produktpalette erstreckt sich auf typische Advents- und Weihnachtsangeboten. Lobend hervorheben möchte ich allerdings, dass die Veranstalter des Weihnachtsmarktes besonderes Augenmerk auf handgemachte Produkte aus der Region haben: Lauschaer Glaskunst, Schnitzereien aus dem Erzgebirge und noch ein Klassiker, die Thüringer Rostbratwurst, sorgen für kulinarische Freude. Macht 3 von 5 möglichen Punkten.
Geld-haben-oder-nicht-haben-Faktor:
Ich habe den Weihnachtsmarkt in Weimar sechs Mal innerhalb von 10 Jahren besucht und man muss schon sagen, dass die Preise seit meinem ersten Besuch 1998 deutlich angestiegen sind. Na gut, beim ersten Mal war ich noch während der guten, alten D-Mark-Zeit dort, als der Glühwein noch ne Mark fuffzich gekostet hat. Trotzdem sind die Preise auf dem Weimarer Weihnachtsmarkt doch recht moderat. Glühwein um die 2€, Bratwurst auch nicht mehr. Im Gegensatz zu den „Großstadt-Märkten“ auf jeden Fall eine kleines Kostenersparnis. 3 von 5 Punkten.
Menschen-glücklich-mach-Faktor:
In dieser Kategorie ist auf jeden Fall einiges geboten- vor allem natürlich mal wieder für die Kinder. Der Weihnachtsmann fährt jeden Tag um drei Uhr nachmittags mit seiner Kutsche vor dem Rathaus vor, dessen Fassade in einen riesigen Adventskalender umgestaltet ist. Dort macht er täglich ein Türchen auf und verteilt den Inhalt an die Weimarer Kinder. Bereits eine kleine Institution auf dem Weihnachtsmarkt in Weimar ist Piccolinos Geschichtendampfer. Im vom Kinderzirkus Tasifan betriebenen Zelt können Kinder jeden Nachmittag kostenlos unterschiedliche Programme sehen: von musikalischen Geschichten über Märchenpuppenspiele bis hin zu Akrobatik-Shows. Und als Neuerung dieses Jahr stehen diesmal in der lebensgroßen Krippe auf dem Marktplatz sogar echte Schafe und Lämmchen. Macht 5 von 5 Punkten.
Außergewöhnlichkeiten-außer-Konkurrenz-Faktor:
So, und jetzt kann ich mal so richtig auftrumpfen bei meinem Lieblings-Weihnachtsmarkt. Denn das wunderschöne Weimar ist die Geburtsstätte von sogar zwei weihnachtlichen Kulturgütern, die um die Welt gingen: dem Weihnachtsbaum und dem Klassiker unter dem deutschen Weihnachtsliedgut „O du fröhliche“. Im Jahr 1815, als noch Goethe in Weimar wirkte, wollte ein gut situierter Weimarer Hofbuchhändler den armen Kindern der Stadt etwas Gutes tun und verlagerte kurzerhand seinen prächtig geschmückten Baum auf den Marktplatz. Die Geburtsstunden des Weihnachtsbaumes, der in tausenden Gemeinden auf der ganzen Welt jedes Jahr feierlich erleuchtet wird. Und ebenfalls in diese Zeitspanne fällt die Schöpfung des Textes von O du fröhlich durch Johannes Falk in Weimar. Diesem und vielen weiteren Weihnachtsklassikern erweist die Stadt übrigens ihre Referenz indem zu jeder vollen Stunde die Glocken des Rathauses diese Lieder erklingen lassen. Für soviel Schöfpungsgeist gibt es ganz klar 5 von 5 Punkten.
Der wunderschöne, besinnliche und vom Geist der Klassik beseelte Weihnachtsmarkt in Weimar ist mein ganz besonderer Tipp für alle Ausflüge rund um die Weihnachtszeit. Dass ein Besuch sich lohnt, kann man nicht nur am Ranking sehen. 21 von 25 Punkten kann der Weimarer Weihnachtsmarkt ergattern. Wer sich schon einmal selbst von diesem einzigartigen Flair in Weimar verzaubern ließ, wird mir Recht geben.























